Rezension zu „Deutschland Schwarz Weiss: Der alltägliche Rassismus“ von Noah Sow, Taschenbuch, 8. Juni 2009


Rassismen sind in unserer Gesellschaft fest verankert, ohne dass wir uns dessen immer bewusst sind. Wer glaubt, völlig frei von rassistischem Verhalten und Vorurteilen zu sein, der sollte sich das Buch „Deutschland Schwarz Weiss: Der alltägliche Rassismus“ von Noah Sow zu Gemüte führen. Die Autorin deckt darin auf, dass unser Alltag gespickt ist mit unterbewussten Rassismen; sie spricht den Leser dabei persönlich an, was dazu führt, dass man sich an der einen oder anderen Stelle regelrecht ertappt fühlt. Nach der Lektüre dieses Buches sind die Sinne des Lesers derart geschärft, dass man in vielen Situationen des Alltags auf rassistische Verhaltensweisen und Klischees stößt, die einem zuvor niemals ins Auge gefallen wären.

Noah Sow ist selbst eine Schwarze, die in Deutschland, genauer gesagt in Bayern, geboren und aufgewachsen ist. Sie arbeitet als Journalistin, Autorin, Moderatorin und Musikerin. Außerdem gehörte sie zu den Initiatoren des 2001 gegründeten „braunen mob e.V.“, einer Organisation, die sich dafür einsetzt, eine diskriminierungsfreie deutsche Medienöffentlichkeit zu schaffen. Noah Sow lässt in ihr Buch persönliche und berufliche Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung einfließen, was dazu führt, dass betroffene Schwarze sich gut mit den jeweiligen Situationen und den daraus resultierenden Gefühlen und Problemen indentifizieren können. Uns Weißen wiederum hält sie damit einen Spiegel vor und zeigt auf, in welchen alltäglichen Situationen wir selbst rassistische Verhaltensweisen und Vorfälle wahrnehmen, sogar unterstützen oder zumindest tolerieren, ohne dass dieser Umstand uns überhaupt bewusst ist.

Auf 320 Seiten und in sieben Kapiteln erklärt Noah Sow ihre Sichtweise der Situation der Schwarzen in Deutschland; sie erklärt Begriffe, reißt die geschichtlichen Hintergründe an und untermauert ihren Standpunkt mit zahlreichen anschaulichen Beispielen hinsichtlich des Rassismus in Deutschland. Sie benutzt dafür eine stellenweise provozierende Sprache, teils überspitzt, teils mit Humor, erlangt dadurch aber, den Geist des Lesers mitzureißen und wach zu rütteln.

Trotz der persönlichen Ansprache des Lesers und der mitunter provozierenden Passagen schafft es Noah Sow, ihre Sichtweise in einer sachlichen und wissenschaftlichen Sprache zu übermitteln. Sie hat die Intention, einerseits für Diskussionsstoff zu sorgen, andererseits den Leser dazu anzuregen, über so manche persönliche Verhaltensweisen nachzudenken und eigene vorgefertigte Meinungen zu reflektieren und zu überdenken. Den Geist wach zu rütteln und die Sinne für Rassismen zu schärfen – dies ist Noah Sow mit ihrem Buch vorzüglich gelungen.